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Sinnesausbildung

Das Kind ist ganz Sinnesorgan. Die Sinne sind seine Tore zur Welt, über die das Kind die Eindrücke der Umgebung wahrnimmt, erlebt und erfährt. Wir achten auf entsprechende Materialien, Werkzeuge, Geräte und Instrumente. Wir eröffnen dem Kind reichhaltige Betätigungsmöglichkeiten für seine Sinnesentwicklung.

Durch freies phantasievolles Spiel, soll das Kind die Möglichkeit bekommen, seinen Körper zu ergreifen, ihn immer geschickter zu machen und sich die Grundlagen dafür schaffen, den späteren schulischen Lernstoff umzusetzen.

Die Sinneslehre Rudolf Steiners umfasst zwölf Sinne.

Basissinne sind: Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn,

Gleichgewichtssinn

Mittlere Sinne sind: Wärmesinn, Geschmackssinn, Sehsinn,

Geruchssinn

Höhere Sinne sind: Hörsinn(Lauterkennung, Klang), Sprachsinn

(Spracherkennung), Gedankensinn (Gedankeninhalte verstehen), Ich- Sinn (Persönlichkeit erfassen)

Die Förderung aller Sinnestätigkeiten ist ein zentrales Anliegen der Waldorfpädagogik. Besonders im Blickpunkt stehen die Basissinne, da sie für die weitere Entwicklung des Menschen grundlegend sind.

 

Die basale Sinnespflege

Der Tastsinn

Das Organ des Tastsinns ist unsere Haut, an jeder Stelle sind Tastwahrnehmungen möglich. Der Tastsinn ist der erste Sinn in der Embryonalentwicklung, durch den das heranwachsende Kind Wahrnehmungen aufnimmt. Durch den Tastsinn erfahren wir den tragenden Grund auf dem wir stehen, sitzen oder liegen. Wir erfahren Halt und Stütze, wir fühlen uns getragen, wir nehmen unsere Körpergrenze wahr. Wichtig ist die Qualität und Echtheit der Gegenstände und der Umgebung, die das Kind „ertastet“, so lernt es die Welt ergreifen und begreifen.

Wir bieten den Kindern eine Vielzahl von unbehandelten Naturmaterialien an, um sie möglichst differenzierte Tasterlebnisse erfahren zu lassen.

Zu unseren Spiel- und Tastmaterialien gehören:

Bearbeitete Hölzer, Äste, Kastanien, Muscheln, Steine, Tücher, Wollbänder, Sandsäckchen, Puppen und Tiere aus Wolle.

 

Lebenssinn/Vitalsinn

Der Mensch kann seine eigene Leiblichkeit, sein Wohlbefinden wahrnehmen, diese Fähigkeit wird dem Lebenssinn zugeschrieben. Durch den Lebenssinn fühlt man sich in seinem Leib zu Hause und empfindet die eigene Selbstständigkeit. Zu den Erfahrungen des Lebenssinnes gehören die Empfindung von Wohlgefühl durch schöne Erfahrungen, aber auch das Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. Dieser Sinn ermöglicht dem Menschen    seine eigenen körperlichen Möglichkeiten und seine Belastungs- und Leistungsgrenzen zu erfahren, um eigenes Selbstvertrauen auch entwickeln zu können.

Um diese Erfahrungen machen zu können, bieten wir den Kindern ein großes Außengelände mit Seillandschaft, Erdhöhle, Balancier- und Klettermöglichkeiten, Matsch, Erde und Sand. Ein gesundes Wohlgefühl des Körpers fördern wir durch rhythmische Tages-, Wochen-  und Jahresläufe, dies gibt dem Kind Sicherheit und Geborgenheit. Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel fördern diesen Sinn ebenso, wie die Gestaltung der Räumlichkeiten und die Gestaltung der Jahreszeiten und Jahresfeste.

 


Der Eigenbewegungssinn

Der Bewegungssinn lässt uns unsere eigenen Bewegungen wahrnehmen, die Bewegungen und Richtungen im Raum, sowie die Stellung der Gliedmaßen zueinander. Das Kind bildet während seiner Entwicklung Grobmotorik und Feinmotorik aus. In dem sie im Kindergarten schaukeln, klettern, rutschen Stelzen laufen, Seilchen hüpfen usw. haben sie die Möglichkeit diese Fähigkeiten auszubilden. Das Kind erfährt über die Bewegungen seines Leibes die physikalischen Gesetzmäßigkeiten wie Schwerkraft und Fliehkraft.

Gerade in der heutigen Zeit, in der die Kinder zunehmend mit dem Auto gefahren werden oder sitzende Tätigkeiten ausführen, bieten wir den Kindern die Möglichkeit ihrem Bewegungsdrang entsprechend sich frei nach eigenem Ermessen zu bewegen, so auch im Reigen und in der Eurythmie ein Raumgefühl zu erfahren.

 

Der Gleichgewichtssinn

Über den Gleichgewichtssinn können wir in jeder Situation wahrnehmen, ob wir im Gleichgewicht sind. Mit jeder Bewegung ändert sich unsere Gleichgewichtssituation, Ungleichgewicht wird unwillkürlich durch Bewegung wieder ausgeglichen. Der Gleichgewichtssinn entwickelt sich wie der Tastsinn sehr früh, so dass das Kind schon vor der Geburt durch die Bewegungen der Mutter Gleichgewichtswahrnehmungen hat. Wie alle Sinne kann der Gleichgewichtssinn nur dann ausbilden, wenn er viele und differenzierte Wahrnehmungen hat, und die gibt es nur bei Bewegung.

Im Kindergarten erlebt das Kind im Freispiel durch das Bauen mit Ständern, Tischen, Stühlen, Brettern usw., ein stetes Ausbalancieren und das Gleichgewicht suchen. Auf unebenen Boden gehen, z.B. im Wald oder im Gartengelände, das Balancieren,  erfordert immer wieder  das Üben und Erlernen das Gleichgewicht zu halten.

Sich in unterschiedliche Situationen einzufügen und zu Recht zu finden, sich auf verschiedene Bedingungen einlassen zu können, lernen wir durch Erfahrungen des Gleichgewichtes. Durch das Gleichgewicht können wir auch eine innere Ruhe spüren, was sich vor allem auf das seelische Gleichgewicht auswirkt. Wichtig ist, dass Kinder die Möglichkeit bekommen, Erfahrungen zu sammeln, sich in der Welt „bewegen“ zu dürfen. Die wichtigsten Bewegungsabläufe erfahren die Kinder beim Stelzenlaufen, Seilchenspringen, Wippen, Schaukeln und Klettern.